Die Geschichte von Peter Forstners

Kaiser Franz Lebkuchen- und Knusperhausausstellung

 

Eigentlich begann die Geschichte mit den Lebkuchenhäusern schon während meiner Lehrzeit zum Zuckerbäcker, als mein damaliger Lehrherr mir erlaubte, zu seinem Lebkuchenhaus meines in die weihnachtlich dekorierte Auslage der Konditorei dazu zustellen.

Viele, viele Jahre vergingen, bis ich wieder ein Lebkuchenhaus zusammenbaute. Im Gasthof Auhof in Linz-Urfahr war es dann wieder so weit. Wir brauchten eine Adventdekoration für unseren Gasthof. Und so kam es, dass ich mich mit unserem Hausbäcker zusammensetzte und ihn bat, mir ein paar Kilo von seinem Lebkuchenteig zu verkaufen. Ich habe mir nun ein Haus überlegt, welches doppelt so groß war wie das von meinem Lehrmeister. Damit es auch hält, haben wir die gebackenen Einzelteile auf Karton aufgeklebt und so zusammengebaut. Es wurde ein wunderschönes Lebkuchenhaus.

In den darauf folgenden Jahren haben wir dann den Lebkuchenteig selbst angesetzt, nach dem Rezept eines guten Bekannten, das er mir zum Geschenk gemacht hatte. Wir stellten die Lebkuchenteile für unser Dekorationshaus nicht mehr wie im ersten Jahr auf Karton aufgeklebt her, sondern schon ohne jegliche Hilfsmittel, damit man das Haus auch essen konnte. Im Laufe der Jahre fiel uns auf, dass immer mehr Gäste während der Vorweihnachtszeit in erster Linie zum Haus Anschauen kamen: Was hat der Forstner dieses Jahr wieder für ein Lebkuchenhaus gebacken?

Die Ära Gasthof Auhof ging zu Ende und wir zogen nach Niederösterreich ins Schloss Luberegg am Eingang zur Wachau. Da das Schlossrestaurant als reiner Sommerbetrieb ausgelegt war, suchten wir eine Möglichkeit, den Betrieb bis Weihnachten hin zu verlängern. Wir mussten etwas finden, womit wir für Gäste auch in der toten Saison interessant sein konnten.

Die gewonnene Erfahrung mit den Dekorationshäusern vom Gasthof Auhof ließ uns guten Mutes zur Tat schreiten. So entstand die erste Lebkuchenhäuserausstellung im Advent 1994. Es begann mit viel Arbeit, aber auch wie eine moderne Feengeschichte.

Es war einmal ... - so fangen alle Märchen an. So auch nun die Historie der Kaiser Franz Lebkuchen- Knusperhäuschen.

Aller Anfang ist schwer: Für unsere erste Ausstellung in Schloss Luberegg bauten wir sieben Lebkuchen- Knusperhäuschen nach überlieferten und eigenen Vorstellungen, gestalteten einen separierten Restaurantraum als Ausstellungsstätte und arrangierten die Häuschen zu einer Landschaft. Vor die Eingangstüre des Restaurants stellten wir eine schwarze Schiefertafel: “Lebkuchenhäuser“. Und warteten. In den ersten beiden Stunden verkauften wir drei kleine Häuschen. Dies beflügelte uns, zusätzlich einige Häuschen auf Vorrat zu produzieren. Aber es dauerte beinahe eine Woche, bis wir ein viertes verkauften. In drei Wochen waren es 16, aber wir hatten noch immer die sieben Stück aus der Ausstellung auf Lager. Was tun?

Wir boten die Häuschen dem ORF Landesstudio Niederösterreich zur Versteigerung an und erhielten eine Absage. Wir wollten sie schon dem Kinderdorf in der Hinterbrühl bringen, als am 23. Dezember 1994 um 7.00 Uhr in der Früh folgendes geschah:

Das Telefon klingelte. Jemand, den wir für eine Märchenfee hielten, fragte mit sanfter, aber aufgeregter Stimme, ob wir die Häuschen noch hätten und – wenn ja – ob wir sie sofort nach Wien ins Landesstudio bringen könnten, dort sei man bereits auf Sendung! Unsere Häuschen wurden in der Fernsehausstrahlung zum Heiligen Abend „Licht ins Dunkel“ von Michael Starringer vorgestellt. Seither sind sie jedes Jahr fixer Bestandteil dieses Weihnachtsprogramms.

Jedoch es gab nicht nur Sonnenschein, sondern auch einiges an Pannen, bis wir mit dem Medium Lebkuchen klar kamen. Eine dieser Pannen war katastrophal: Am Abend sollte die erste große Eröffnung mit Presse, Fernsehen und Ehrengästen über die Bühne gehen. Als wir am Morgen in den Ausstellungsraum kamen, lag der gesamte Christbaumschmuck der Dekorationsbäume auf dem Boden, die Ausstellungshäuser ließen alles hängen: abgebrochene Dächer, weiche Bäume, schiefe verbogene Kamine usw., mit einem Wort, die fertige Ausstellung war unbrauchbar geworden. Wir standen vor den Trümmern von rund 500 Arbeitsstunden. Wir hatten die Luftfeuchtigkeit des Ausstellungsraumes im alten Schloss Luberegg falsch bzw. gar nicht eingeschätzt und berücksichtigt. Ausgeschlossen, die Ausstellung bis zum Abend neu zu bauen. Wir bauten die gesamte Ausstellung ab, tauschten all jene Häuser, welche im Gesamten nicht mehr brauchbar waren, gegen Verkaufshäuser aus, die großen Dekorhäuser trockneten wir, so weit es ging, mit dem Haarfön und richteten sie mit Zuckerglasur wieder her. Zehn Minuten vor der offiziellen Eröffnung war die Ausstellung für die Ehrengäste bereit und die Eröffnung gerettet. Ein zweites Mal möchte ich so etwas nicht erleben.

Der Bekanntheitsgrad unserer Lebkuchen-Knusperhäuschen hat sich im Laufe der Zeit mit Hilfe des Fernsehens, aber auch der Printmedien, die sich ebenfalls der Häuschen angenommen haben, märchenhaft vervielfältigt.

Soweit ging nun alles gut bis zur Katastrophe: Das Donauhochwasser von 2002 zerstörte das Schloss Luberegg. Das hieß für uns: keine Ausstellung in diesem Jahr. Jedoch wir hatten mehr als 6 000 Besucher bereits gebucht und mussten uns etwas einfallen lassen. Es gelang uns, für die Ausstellung die Eigner des Donauschiffes MS Austria, die Geschwister Brandner, zu gewinnen, welche uns ihr Schiff für die Zeit der Ausstellung vermieteten. „Kunst und Schiff“, eine Ausstellung auf einem Donauschiff, so etwas gab es bis dato nicht und es wurde zum großen Erfolg. Wir verzeichneten einen neuen Besucherrekord.

Im Jahre 2003 gab es leider keine Ausstellung. Es gelang uns weder, eine Produktionsstätte, noch eine adäquate Lokalität für die Ausstellung zu finden.

Mit Übernahme des Landgutes Faberhof in Freinberg in der Nähe von Engelhartszell im Jahr 2004, konnte die Ausstellung weiter leben.

Im Jahr 2005 gelang es uns, die Ausstellung über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt zu machen. Wir hatten erstmalig Besucher aus der Schweiz, Deutschland, Japan und Taiwan die nur wegen der Ausstellung zu uns kamen. In den folgenden Jahren besuchten immer mehr Neugierige und Kunstsinnige aus den unterschiedlichsten Ländern unsere Ausstellung. Auch das bayerische Fernsehen hat sich unserer Ausstellung angenommen und mit mehreren Sendungen über sie berichtet.

Die Ära Landgut Faberhof ging mit der 14. Ausstellung 2008 zu Ende: eine der aufwändigsten Ausstellungen welche wir jemals gebaut haben - von einem Blick in die Zukunft mit einigen futuristisch anmutenden Häuschen bis zum Nachbau eines Teiles der Silberzeile (Teil der Häuserzeile am Hauptplatz) der Bezirksstadt Schärding.

2009: „15 Jahre Lebkuchen- und Knusperhäuser-Kunstausstellung“ eine neue Herausforderung am neuen Standplatz im Zisterzienserstift Zwettl in Niederösterreich.

Wir wollen mit unserer Ausstellung vielen Menschen die Möglichkeit geben, sich ein kleines Stück Weihnachtsduft und Weihnachtsfreude ins Zimmer zu stellen, ganz nach dem Motto eines Journalisten, der über unsere Ausstellung schieb: “Wenn Sie Weihnachten suchen, hier finden Sie‘s“.

Aber andererseits wollen wir auch den alten Brauch wieder beleben, in der Adventszeit Lebkuchenhäuser zu verschenken und damit weihnachtliche Vorfreude aufkommen zu lassen. Und wir wollen ein wenig Erinnerung an die Kindheit wecken, als die Mutter mit uns noch Lebkuchenhäuser bastelte.

Es macht richtig Freude, das Glitzern in den Augen unserer Ausstellungsbesucher zu sehen, wenn sie ein Lebkuchenhäuschen entdecken, das ganz nach ihrem Sinn ist.

Wir würden uns sehr freuen, Sie bei unserer Ausstellung alljährlich im Advent begrüßen zu dürfen.
Peter Forstner und das Lebkuchenteam